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Bildanalytisches Denken
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Wir erinnern uns: Das Konzept "Bildverstehen" als
Fassung unserer WAHL für DAS, was WIR unter Psyche verstehen, war der Ausgangspunkt für
unser Tassen-Experiment. Es ging darum zu zeigen, daß jedes beliebige "Ding"
aus sich heraus ein Gleichnis und einen eigenen "Ordnungszusammenhang"
entwickeln kann. Und um es uns nicht zu leicht zu machen, habe ich das Beispiel einer
sogenannten unbeseelten Sache gewählt, also das Beispiel eines zwar alltäglichen, aber
"materialen Gegenstands.
Wir können jetzt - durch den Umweg über das
Tassengleichnis um einiges klüger geworden - sagen: Das Seelische ist überall da, wo es
darum geht, sich auf ein bestimmtes Doppeltes einzulassen, auf Zusammenhänge, die man in
ihrer paradoxen Natur und in ihrer logischen Unauflösbarkeit erst einmal so stehenlassen
und akzeptieren muß. Und das ist gut zu wissen - besonders dann, wenn wir vom Seelischen
und seiner besonderen Natur profitieren wollen. Letzteres haben wir ja vor, wenn wir uns
das Wissen um die besondere Natur des Seelischen für eine Psychotherapie und Beratung
fruchtbar machen wollen. Aber hierzu werde ich gleich noch etwas mehr sagen können.
Schließen wir also hiermit jetzt unsere Überlegungen zum
Beispiel der Tasse als einem seelischen Gleichnis ab:
Auch die Tasse hat also, wie sich zeigen läßt, ein bildhaftes
Sich-Verstehen, kurz
ein "Bildverstehen":
Sie versteht sich als das Angebot eines kleinen raumschaffenden Aufschubs innerhalb
eines ganz bestimmten, auf Zufuhr und Kontinuität ausgerichteten Übergangsprozesses.
Damit sehen wir, wenn ich den Faden von vorhin wieder
aufgreifen darf, daß die sogenannten toten oder technischen Dinge mit in den
Gegenstandsbereich einer bildanalytischen Psychologie hineinfallen. Und wir sehen, daß
die Dinge, wenn wir sie erst einmal in ihren eigenen Möglichkeiten ernstgenommen haben,
sich bald als umfassende Formeln und Gleichnisse erweisen. Sie werden dabei jeweils zu
etwas weit über sich selbst Hinausweisendem. Bilder sind also nicht nur
Ausdrucksbildungen VON etwas (und schon gar nicht bloße Audrucksbildungen eines alles
bestimmenden Gesamtzusammenhangs - wie z.B. Goethe es uns in seiner Morphologie zu lehren
versucht hat) - sie sind vielmehr Ausdrucksbildungen im Sinne eines gleichnisgebenden
Zusammenhangs und Formel FÜR etwas.
Welche Konsequenzen bringt das nun mit sich, den Begriff
der Psyche solcherart zu erweitern?
Zur Beantwortung dieser Frage möchte ich hier einen Aspekt
besonders hervorheben: Wenn das Bildverstehen die Sache ist, die uns interessiert, dann
tun wir etwas für eine reichhaltigere Welt, für eine Welt, die uns eine Vielfalt von
"in sich verstehbaren" Zusammenhängen bieten kann. Wir müssen den verspürten
Zusammenhängen nicht mehr eine - durch ein bestimmtes System vorgeschriebene - Ableitung
verpassen.
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