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Bildanalytisches Denken
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Wenn Bilder gleichsam Formeln sind, welche aus SICH heraus
Zusammenhang stiften, dann können wir auch auf IHNEN unsere Ordnungen bauen. Auch von
IHNEN aus läßt es sich kategorisieren. Ein festes Kategoriensystem allerdings gibt es
dann nicht. Deutlicher: Ein System von Kategorien (also ein festes Begriffssystem), was
die seelischen Zusammenhänge für jeden Fall gleichermaßen übersetzbar macht, gibt es
in einer bildanalytischen Psychologie nicht.
Sowie Nietzsche das "aphoristische Denken gegen
das system-gebundene gestellt hat, so stellen wir das bildanalytische
(bild-perspektivische) Denken gegen eine Psychologie, die mit einem System arbeitet.
Durchkämmen wir die Wirklichkeit mit dem Raster des einen oder anderen psychologischen
Systems, wie es eben so üblich ist, dann erhalten wir natürlich früher oder später
eine straff geordnete - und vor allem das System bestätigende - Abfolge von
Zusammenhängen.
Man kann sich gut vorstellen, daß bei einer klassisch
psychoanalytisch ausgerichteten Ableitung z.B. die Welt irgendwann tatsächlich aus lauter
phallischen oder oralen sowie analen oder ödipalen Vorgängen und ihren Entsprechungen
besteht. Im Falle einer bildanalytischen Betrachtung und Durchforschung der Wirklichkeit
wird die Welt hingegen vielfältiger und lebendiger, eben bildperspektivisch. In diesem
Falle schickt sich jedes Bild an, SELBST ein Gleichnis und damit eine Art "ordnender
Zusammenhang" für das Ganze zu werden.
Schließlich und endlich wollen wir aber nicht übersehen,
daß eine solche Wirklichkeit vielleicht auch Angst machen kann. Es ist ja nicht gesagt,
daß sich jeder Mensch eine solche, vielfältig zentrierbare Welt auch wirklich wünscht
und haben will.
Mit meiner Werbung für dieses Denken möchte ich die
anderen existierenden Auffassungen von Psyche also keinesfalls geringschätzt wissen. Als
Bildanalytiker liegt es mir vielmehr daran, gleichsam Geschmack zu machen auf etwas Neues,
vielleicht also darauf, sich bei Gelegenheit noch einmal etwas genauer mit unserer Art des
"bildanalytisch" genannten Denkens auseinanderzusetzen. Vielleicht hilft hierzu
ja auch die Wendung unseres Blickes auf die praktischen Konsequenzen dieses Denkens, auf
die Konsequenzen für eine Psychotherapie und Beratung zum Beispiel.
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