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Bildanalytisches Denken
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Ein Mensch, der sich endlich wieder traut, sich auf
bestimmte Veränderungen einzulassen und der dies jetzt vielleicht gerade in Gestalt einer
körperlichen Störung versteht in Gang zu setzen, der beweist doch gerade ein psychisches
Gesundsein und ist nicht etwa - jedenfalls nicht im psychologischen Sinne - als krank
anzusehen. Die Behandlung eines solchen Menschen sollte auf keinen Falle unter der
Führung eines heilkundlichen Krankheitsbegriffs erfolgen. Ich denke, Sie verstehen warum.
Umgekehrt kann ein Mensch, nehmen wir z.B. den sogenannten Workoholiker (also den
Arbeitssüchtigen), der vielleicht jeden Tag sein Jogging macht, ernährungsmäßig auch
nur das Beste für sich tut und keinerlei seelisch-körperliche Beschwerden hat, psychisch
schlicht und ergreifend "krank" sein, denn seine Entwicklungsfähigkeit ist
vielleicht zugunsten eines universalen Beweismusters, mit dem er sich für immer Krisen zu
ersparen versucht, bereits verlorengegangen. Wenn die Entwicklungsfähigkeit fehlt,
sprechen wir im allgemeinen natürlich nicht von Krankheit, und das ist auch gut so. Es
handelt sich ja auch nur um Krankheit im übertragenen Sinne. Und wir wollen auch nicht in
diesem Punkt etwa - nicht daß ich hier jetzt mißverstanden werde - einen neuen
Sprachgebrauch einführen. Der Krankheitsbegriff ist zu stark von einem heilkundlichen
Denken bestimmt.
In den letzten Jahren hat sich einiges geändert: Wenn wir
heute von einer Psychotherapie im engen Sinne reden, dann meinen wir meistens eine
entwicklungs- und veränderungsorientierte Psychotherapie. Teilweise wird unter
"Psychotherapie aber auch eine Dienstleistung im Sinne der Heilkunde verstanden
- und möglicherweise demnächst verstärkt, durch das geplante Psychotherapeutengesetz.
Um Verwechslungen zu vermeiden, sollte im Falle einer so verstandenen Psychotherapie auch
immer von einer heilkundlich orientierten Psychotherapie gesprochen werden. Daß es sich
in der Anwendung dieser neuen Wissenschaft, also der Tiefenpsychologie, die sich damals
schnell und kräftig zu entwickeln begann, im Kern der Sache gar nicht um das Geschäft
des Heilens und des Gesundmachens handelte, sondern um ein neues Umgehen mit der
Entwicklung einer, an den erlebbaren Zusammenhängen seiner eigenen Wirklichkeit
interessierten Persönlichkeit, das ahnte man in der interessierten Öffentlichkeit wohl
auch damals schon. Das Neue mußte sich aber erst noch als etwas Eigenständiges versuchen
abzuheben und durchzusetzen, und zwar neben dem Bild des Heilkundlichen, nach welchem es
sich anderenfalls ja mehr ums Heilen, Lindern und Bessern statt um Entwicklung, zu
kümmern gehabt hätte. Und das vollzog sich dann - für die breite Öffentlichkeit
wahrnehmbar - im Wesentlichen über die Bewegung der 60er- und die der 70er Jahre, über
die einschlägige und die schöne Literatur, über den, das Psychische ganz neu ins Bild
setzenden Film der letzten 40 Jahre und last but not least über das In-Mode-Kommen von
Selbsterfahrungen und psychologischen Weiterbildungen natürlich.
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